Benedikt Ledebur
Benedikt Ledebur,
geb. 1964 in München,
lebt in Wien.
1998: Poetisches Opfer (Ritter Verlag)

Rezensionen:
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www.literaturhaus.at


Leseprobe aus neueren Gedichten:

kentaur

u - u - u - uu - u -
u - u - u - uu - u -
u - u - u - u - -
- uu - uu - u - -

wohin die schritte, soll ich sie lenken, wenn
mich einer büste gleich von den gliedern trennt
ein schnitt durch die verstrickung wirrer
banden, wie sie knüpft der gegensätze

behaarter lauf; zu welchem behuf stampft es
im rausch von sinnen ein, was sich denken lässt,
wo sich der aufstieg in zwei wege
spaltet, zu glattem stein steht gehauen,

der seine keule hebt, schlägt im schwanz das tier
vor, ihm auf allen vieren zu folgen; dort
erwartet sie ihn ungeduldig,
wo er denn bliebe, die zeit, sie drängt uns

im schiff zu jener gegend, den wellen trotz,
dem tausch der teile, bieten zu können, nicht
im faden auf vergehn zu rollen,
locken die wehen gefälschtem geschlecht.

da braust verkehr, sein tempel verwaist, am ring
erkennt doch keiner mehr, was die flut ihm bringt
an tönen, die der tanz gehörnt hat,
um sie in nöten als stier zu zähmen.

es krönt sie, das der dann in die sterne setzt,
der im gefolge, das sie verbockt, verklärt
im kranz der strophen, die ihn winden
anvertraut, schwarz sie die segel hissen.

so stützt, ich wein', stock alter nicht, vielmehr stürzt,
der namen ihm verleiht, diesem mythenmeer,
berauscht der fluss, der sie vergessen,
lässt, was sich einmal gesetzt, zurück nicht.